Ausreise Brundeldas - 02
Wie? sagte er. Ich dachte, du hättest hier zehn Kartoffelsäcke, und jetzt ist es ein einziges Frauenzimmer? Wohin fahrt ihr denn? Wer seid ihr? Brunelda wagte gar nicht, den Polizeimann anzusehen, sondern blickte nur immer auf Karl mit dem deutlichen Zweifel, daß selbst er sie nicht werde erretten können. Karl aber hatte schon Erfahrungen genug mit Polizisten, ihm schien das Ganze nicht sehr gefährlich. Zeigen Sie doch, Fräulein, sagte er, das Schriftstück, das Sie bekommen haben. Ach ja, sagte Brunelda und begann in einer so hoffnungslosen Weise zu suchen, daß sie wirklich verdächtig erscheinen mußte. Das Fräulein, sagte der Polizist mit zweifelloser Ironie, wird das Schriftstück nicht finden. O ja, sagte Karl ruhig, sie hat es bestimmt, sie hat es nur verlegt. Er begann nun selbst zu suchen und zog es tatsächlich hinter Bruneldas Rücken hervor. Der Polizist sah es nur flüchtig an. Da ist es also, sagte der Polizist lächelnd. So ein Fräulein ist das Fräulein? Und Sie, Kleiner, besorgen die Vermittlung und den Transport? Wissen Sie wirklich keine bessere Beschäftigung zu finden? Karl zuckte bloß die Achseln, das waren wieder die bekannten Einmischungen der Polizei. Na, glückliche Reise, sagte der Polizeimann, als er keine Antwort bekam. In den Worten des Polizeimanns lag wahrscheinlich Verachtung, dafür fuhr auch Karl ohne Gruß weiter, Verachtung der Polizei war besser als ihre Aufmerksamkeit.
Kurz darauf hatte er eine womöglich noch unangenehmere Begegnung. Es machte sich nämlich an ihn ein Mann heran, der einen Wagen mit großen Milchkannen vor sich herschob und äußerst gern erfahren hätte, was unter dem grauen Tuch auf Karls Wagen lag. Es war nicht anzunehmen, daß er den gleichen Weg wie Karl hatte, dennoch aber blieb er ihm zur Seite, so überraschende Wendungen Karl auch machte. Zuerst begnügte er sich mit Ausrufen, wie zum Beispiel Du mußt eine schwere Last haben! oder Du hast schlecht aufgeladen, oben wird etwas herausfallen! . Später aber fragte er geradezu: Was hast du denn unter dem Tuch? Karl sagte: Was kümmert's dich? Aber da das den Mann noch neugieriger machte, sagte Karl schließlich: Es sind Äpfel.