Ausreise Bruneldas: 01 - 02 - 03
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Fragmente - 03

Statt das Parfüm zu suchen, kämpfen sie, sagte Brunelda. Ich werde krank von dieser Wirtschaft, Delamarche, und werde ganz gewiß in deinen Armen sterben. - Ich muß das Parfüm haben, rief sie dann, sich aufraffend, ich muß es unbedingt haben! Ich gehe nicht aus der Wanne, ehe man es mir bringt, und müßte ich hier bis zum Abend bleiben. Und sie schlug mit der Faust ins Wasser, man hörte es aufspritzen.

Aber auch in der Schublade des Eßtisches war das Parfüm nicht, zwar waren dort ausschließlich Toilettengegenstände Bruneldas, wie alte Puderquasten, Schminktöpfchen, Haarbürsten, Löckchen und viele verfilzte und zusammengeklebte Kleinigkeiten, aber das Parfüm war nicht dort. Und auch Robinson, der, noch immer schreiend, in einer Ecke von etwa hundert dort aufgehäuften Schachteln und Kassetten eine nach der anderen öffnete und durchkramte, wobei immer die Hälfte des Inhalts, meist Nähzeug und Briefschaften, auf den Boden fiel und dort liegenblieb, konnte nichts finden, wie er zeitweise Karl durch Kopfschütteln und Achselzucken anzeigte.

Da sprang Delamarche in Unterkleidung aus dem Waschraum hervor, während man Brunelda krampfhaft weinen hörte. Karl und Robinson ließen vom Suchen ab und sahen den Delamarche an, der, ganz und gar durchnäßt - auch vom Gesicht und von den Haaren rann ihm das Wasser -, ausrief: Jetzt also fangt gefälligst zu suchen an! -

Hier! befahl er zuerst Karl zu suchen und dann Dort! dem Robinson. Karl suchte wirklich und überprüfte auch noch die Plätze, zu denen Robinson schon kommandiert worden war, aber er fand ebensowenig das Parfüm wie Robinson, der eifriger als er suchte, seitlich nach Delamarche ausschaute, der, so weit der Raum reichte, stampfend im Zimmer auf und ab ging und gewiß am liebsten sowohl Karl wie Robinson durchgeprügelt hätte. Delamarche! rief Brunelda. Komm mich doch wenigstens abtrocknen! Die beiden finden ja das Parfüm doch nicht und bringen nur alles in Unordnung. Sie sollen sofort mit dem Suchen aufhören. Aber gleich! Und alles aus der Hand legen! Und nichts mehr anrühren! Sie möchten wohl aus der Wohnung einen Stall machen. Nimm sie beim Kragen, Delamarche, wenn sie nicht aufhören! Aber sie arbeiten ja noch immer, gerade ist eine Schachtel gefallen. Sie sollen sie nicht mehr aufheben, alles liegenlassen, und aus dem Zimmer hinaus! Riegle hinter ihnen die Tür zu und komm zu mir. Ich liege ja schon viel zu lange im Wasser, die Beine habe ich schon ganz kalt.

Gleich, Brunelda, gleich! rief Delamarche und eilte mit Karl und Robinson zur Tür. Ehe er sie aber entließ, gab er ihnen den Auftrag, das Frühstück zu holen und womöglich von jemandem ein gutes Parfüm für Brunelda auszuborgen. Das ist eine Unordnung und ein Schmutz bei euch, sagte Karl draußen auf dem Gang, sobald wir mit dem Frühstück zurückkommen, müssen wir zu ordnen anfangen.

Wenn ich nur nicht so leidend wäre! sagte Robinson. Und die Behandlung! Gewiß kränkte sich Robinson darüber, daß Brunelda zwischen ihm, der sie doch schon monatelang bediente, und Karl, der erst gestern eingetreten war, nicht den geringsten Unterschied machte. Aber er verdiente es nicht besser, und Karl sagte: Du mußt dich ein wenig zusammennehmen. Um ihn aber nicht gänzlich seiner Verzweiflung zu überlassen, fügte er hinzu: Es wird ja nur eine einmalige Arbeit sein. Ich werde dir hinter den Kasten ein Lager machen, und wenn nur einmal alles ein wenig geordnet ist, wirst du dort den ganzen Tag liegen können, dich um gar nichts kümmern müssen und sehr bald gesund werden.

Jetzt siehst du es also selbst ein, wie es mit mir steht, sagte Robinson und wandte das Gesicht von Karl ab, um mit sich und seinem Leid allein zu sein. Aber werden sie mich denn jemals ruhig liegenlassen?

Wenn du willst, werde ich darüber selbst mit Delamarche und Brunelda reden. Nimmt denn Brunelda irgendeine Rücksicht? rief Robinson aus und stieß mit der Faust eine Tür auf, zu der sie eben gekommen waren, ohne daß er Karl darauf vorbereitet hätte.

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