In der Strafkolonie - 11

Der Reisende sah flüchtig auf den Mann hin; er hielt, als der Offizier auf ihn gezeigt hatte, den Kopf gesenkt und schien alle Kraft des Gehörs anzuspannen, um etwas zu erfahren. Aber die Bewegungen seiner wulstig aneinander gedrückten Lippen zeigten offenbar, daß er nichts verstehen konnte. Der Reisende hatte verschiedenes fragen wollen, fragte aber im Anblick des Mannes nur: Kennt er sein Urteil? Nein, sagte der Offizier und wollte gleich in seinen Erklärungen fortfahren, aber der Reisende unterbrach ihn: Er kennt sein eigenes Urteil nicht? Nein, sagte der Offizier wieder, stockte dann einen Augenblick, als verlange er vom Reisenden eine nähere Begründung seiner Frage, und sagte dann: Es wäre nutzlos, es ihm zu verkünden. Er erfährt es ja auf seinem Leib. Der Reisende wollte schon verstummen, da fühlte er, wie der Verurteilte seinen Blick auf ihn richtete; er schien zu fragen, ob er den geschilderten Vorgang billigen könne. Darum beugte sich der Reisende, der sich bereits zurückgelehnt hatte, wieder vor und fragte noch: Aber daß er überhaupt verurteilt wurde, das weiß er doch? Auch nicht, sagte der Offizier und lächelte den Reisenden an, als erwarte er nun von ihm noch einige sonderbare Eröffnungen. Nein, sagte der Reisende und strich sich über die Stirn hin, dann weiß also der Mann auch jetzt noch nicht, wie seine Verteidigung aufgenommen wurde? Er hat keine Gelegenheit gehabt, sich zu verteidigen, sagte der Offizier und sah abseits, als rede er zu sich selbst und wolle den Reisenden durch Erzählung dieser ihm selbstverständlichen Dinge nicht beschämen. Er muß doch Gelegenheit gehabt haben, sich zu verteidigen, sagte der Reisende und stand vom Sessel auf.